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Preise richtig kalkulieren – Stundensatz statt Bauchgefühl

Autorenbild: Georg Seiler
Georg Seiler
vor 15 Stunden
2 Min. Lesezeit

Teil 4 des ADN Gründer-Ratgebers. Und vermutlich der wichtigste.

Der Fehler, den fast alle machen

Viele Gründer schauen, was die Konkurrenz verlangt, ziehen zehn Euro ab und legen los. Das Problem: Die Konkurrenz hat vielleicht andere Kosten – oder kalkuliert genauso falsch. Am Ende arbeitest du 60 Stunden die Woche und weißt nicht, warum am Konto nichts übrig bleibt.

Schritt 1: Alle Fixkosten aufschreiben

Miete, Strom, Wasser, Versicherung, SVS, WKO-Umlage, Leasing für Maschinen, Fahrzeug, Software, Marketing, Steuerberatung, Weiterbildung. Pro Jahr. Ehrlich.

Schritt 2: Was willst du verdienen?

Leg einen Unternehmerlohn fest – das, was du am Ende des Jahres vor Steuer übrig haben willst. Das ist dein Gehalt. Es gehört in die Kalkulation, nicht "was halt übrig bleibt".

Schritt 3: Wie viele Stunden kannst du wirklich verrechnen?

Hier liegt der größte Denkfehler. Von 40 Arbeitsstunden pro Woche kannst du nicht 40 verrechnen. Büro, Angebote schreiben, Social Media, Einkauf, Halle putzen, Fahrten, Leerlauf zwischen Terminen: Realistisch sind 60–70 % verrechenbar. Bei 46 Arbeitswochen und 40 Stunden sind das rund 1.200 Stunden im Jahr.

Schritt 4: Rechnen

(Fixkosten + Unternehmerlohn) ÷ verrechenbare Stunden = Mindeststundensatz.

Beispiel: 30.000 Euro Fixkosten plus 36.000 Euro Unternehmerlohn, geteilt durch 1.196 Stunden, ergibt rund 55 Euro netto pro Stunde. Darunter verlierst du Geld. Mit einem Puffer für Ausfälle und Reklamationen landest du bei 60–65 Euro.

Schritt 5: Jede Leistung prüfen

Für jede Leistung gilt: Arbeitszeit × Stundensatz + Material = Mindestpreis. Im Beispiel kostet eine Premium-Wäsche mit 1,5 Stunden und 8 Euro Material mindestens rund 91 Euro. Wer sie um 89 Euro anbietet, arbeitet knapp unter Selbstkosten.

Spannend ist der Deckungsbeitrag pro Stunde: Leistungen mit hohem Wert pro Stunde – Keramikversiegelung, Lackkorrektur – solltest du aktiv verkaufen. Leistungen mit niedrigem Wert sind Türöffner, keine Umsatzbringer.

Mach es mit deinen Zahlen

Unser ADN-Preiskalkulator rechnet das automatisch – mit deinen eigenen Kosten, Zeiten und Preisen. Gelbe Felder ausfüllen, fertig. Er zeigt dir für jede Leistung, ob sie rentabel ist.

Billig kann jeder. Gut und fair kalkuliert ist das, was eine Branche aufwertet.

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